Eatglobe Eatglobe

Warum Russen in eiskaltes Wasser tauchen

Millionen orthodoxer Christen, von Russland bis nach Äthiopien, feiern die Taufe Jesu durch ein Bad in manchmal gefrorenen Gewässern

Russischer Mann nimmt ein Bad in einer Wanne mit Eiswasser im Zentrum von Moskau, 18. Januar 2016
Russischer Mann nimmt ein Bad in einer Wanne mit Eiswasser im Zentrum von Moskau, 18. Januar 2016

Orthodoxe christliche Kirchen mit dem Julianischen Kalender, auch jene in Russland, der Ukraine, Serbien, Georgien, Palästina und Äthiopien, am 19. Januar die Epiphanie.

An diesem Tag wird der Taufe Jesu im Fluss Jordan gedacht. Aus diesem Grund feiern in mehrheitlich orthodoxen Ländern wie Russland, die Menschen das Fest mit Gottesdiensten und Wassersegnungen.

Wassersegnungen erfolgen in der Regel zwei Mal, einmal im Inneren der Kirche und einmal im Freien an einem Gewässer. Die Leute gehen in einer Kreuzprozession zum nächstgelegenen Gewässer. Dies kann alles mögliche, von Häfen und Stränden bis hin zu Flüssen, Seen, Teichen und sogar Schwimmbädern, sein.

Epiphanie-Bäder zum Fest der Theophanie in einem Eis-Loch im Partizanka-Fluss, Russland, 19. Januar 2010
Epiphanie-Bäder zum Fest der Theophanie in einem Eis-Loch im Partizanka-Fluss, Russland, 19. Januar 2010
Vitaliy Ankov/Wikicommons

In Russland tauchen hunderttausende Menschen in diese Gewässer ein, in der Regel am Vorabend der Epiphanie, um sich symbolisch von Sünden zu reinigen und den Segen des heiligen Wassers zu erhalten. Sie tauchen 3 Mal vollständig zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit ein und machen jedes Mal ein Kreuzzeichen.

Niedrige Temperaturen, die fehlende Nähe zu Gewässern und gefrorene Gewässer stellen kein Hindernis dar. Die Leute stellen mitten in der Stadt oder Gemeinde Pools auf, oder schneiden ein Loch in das Eis, um einen Sprung zu wagen. Kreuzförmige Eislöcher, die nach dem Fluss Jordan benannten „Jordans“, sind besonders beliebt.

Männer tanzen in den eisigen Gewässern des Flusses Tunja, Kalofer, Bulgarien, 6. Januar 2015
Männer tanzen in den eisigen Gewässern des Flusses Tunja, Kalofer, Bulgarien, 6. Januar 2015
Stefan Kunchev Kunchev/Shutterstock

Letzte Nacht waren die Temperaturen in vielen russischen Städten nicht so ungünstig wie in den letzten Jahren. In Moskau, zum Beispiel, wo die Behörden 60 offizielle Wasserbecken für die Gläubigen bereit stellten. Bei -10 Grad Celsius waren die Temperaturen für lokale Verhältnisse geradezu gemäßigt.

Selbst in Gebieten wie Novosibirsk, wo die Temperaturen bis zu -27 Grad Celsius sinken, hindert das die Leute nicht daran, heilige Bäder zu nehmen. Obwohl oft Ärzte bei diesen Bädern anwesend sind, ist es in der Regel ratsam, ein paar Tage davor kalte Duschen zu nehmen und ein wenig Bewegung vor dem Bad auszuüben, um den Körper aufzuwärmen.

Russische Frau nimmt ein Bad in einer Wanne mit Eiswasser im Zentrum von Moskau, 18. Januar 2016
Russische Frau nimmt ein Bad in einer Wanne mit Eiswasser im Zentrum von Moskau, 18. Januar 2016
EPA

Eine ähnliche Gepflogenheit ist in anderen orthodoxen Ländern wie Griechenland und Bulgarien üblich, auch wenn sie die Epiphanie am 6. Januar feiern. In beiden Ländern haben diese Bäder eine andere Form angenommen: Freiwillige nehmen an Schwimmwettbewerben teil, in denen sie ein von dem Priester in das Wasser geworfene Kreuz erreichen müssen. Der Gewinner erhält einen besonderen Segen vom Priester.

Ein Mann badet an den Wänden des Raifsky Monastery of Our Lady, Tatarstan, 19. Januar 2011
Ein Mann badet an den Wänden des Raifsky Monastery of Our Lady, Tatarstan, 19. Januar 2011
Maksim Bogodvid/Wikicommons

Creative Commons Licence Der Text dieses Artikels kann frei verwendet werden, sofern Eatglobe als Quelle angeführt wird. Die Fotos können nicht benützt werden, außer jene, die mit Wikimedia verlinkt sind.