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Die zwölf Nächte

In Teilen Europas besteht diese alte heidnisch-christliche Tradition immer noch, in Form von Ritualen mit Kuchen und Süßigkeiten

Quelle:: U.S. Library of Congress

Einer der Drei Heiligen Könige, König Balthasar, auf einem Paradewagen während des Umzuges der zwölf Nächte in Oviedo, Nordspanien, 5. Januar 2013
Einer der Drei Heiligen Könige, König Balthasar, auf einem Paradewagen während des Umzuges der zwölf Nächte in Oviedo, Nordspanien, 5. Januar 2013

Die zwölf Nächte sind ein christlischer Brauch, der das Erscheinen Christi oder auch die Ankunft der Heiligen Drei Könige feiert, die dem Jesuskind Geschenke brachten. Ursprünglich basiert dieser Brauch jedoch auf einer heidnischen Feierlichkeit, nämlich den römischen Saturnalien.

Eine gängige Art, diese Feierlichkeit zu begehen, ist die Aufhebung der üblichen Ordnung: Bauern werden zu Königen und umgekehrt. Der Brauch, einen Kuchen zu backen, in dem sich eine Bohne für denjenigen befindet, der zum König werden soll, hat sich auch in die christliche Tradition eingeschlichen.

Heißer Wassail
Heißer Wassail
LearningLark/Flickr

Schon im Mittelalter wurden die zwölf Nächte im Vereinigten Königreich mit einem reichhaltigen Früchtebrot gefeiert, in dem sich eine Bohne und eine Erbse befanden. Die beiden, die Bohne und Erbse fanden, wurden jeweils Känig und Königin. Getrunken wird traditionell ein Getränk namens Wassail, eine Art Glühwein aus Apfelwei

Auch heute wird das Fest noch mit einem jährlichen folkloristisch anmutenden Zug entlang der Themse in London gefeiert. In den Grafschaften in West- und Südengland, in denen Apfelwein hergestellt wird, findet außerdem das sogenannte "Wassailing" statt.

Wassailing besteht darin, die Bäume zu schlagen, um die Dämonen auszutreiben, den Erdboden mit Apfelwein zu salben und in Apfelwein getränktes Brot in die Zweige zu hängen, damit Spatzen es essen und das zurückgebliebene Böse davontragen. Dieser Brauch soll für eine gute Ernte sorgen.

In diesem Obstgarten in West Sussex findet das Wassailing der Apfelbäume statt
In diesem Obstgarten in West Sussex findet das Wassailing der Apfelbäume statt
Glyn Baker/Wikicommons

In Spanien wird die Cabalgata de Reyes Magos jedes Jahr mit einer Parade gefeiert, auf der die Heiligen Drei Könige Süßigkeiten in die Menge werfen. Der traditionelle Kuchen heißt hier Roscón de Reyes und enthält eine Bohne und die Figur einer der Könige. 

In Portugal, Frankreich und der historischen Region Okzitanien, die sich über Teile Frankreichs, Italiens und Spaniens erstreckt, gibt es ebenfalls eigene Versionen des traditionellen Kuchens.

In Italien dreht sich diese heidnisch-christliche Tradition um eine Hexe namens Befana aus dem italienischen Volksglauben. Sie gewährt den Heiligen Drei Königen vor deren Ankunft beim Jesuskind Unterkunft. Sie füllt die Schuhe braver Kinder mit Süßigkeiten und die der bösen Kinder mit Kohle.

Spanischer Roscón de Reyes
Spanischer Roscón de Reyes
Tamorlan/Wiki Commons

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